WOHER KOMMEN DIE DRESDNER

Hintergrundinformationen zur Ausstellung

Seit Menschengedenken verlassen Menschen die Orte, an denen sie geboren und aufgewachsenen sind, um sich an einem anderen Ort niederzulassen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Flucht vor Verfolgung und Unterdrückung oder Naturkatastrophen und Armut, aber auch Neugier, Abenteuerlust, Liebe, ein gutes Jobangebot oder einfach das Interesse an anderen Kulturen und Lebensweisen.

Migration und Fremdenfeindlichkeit

Doch nicht immer werden Menschen, die sich aufgemacht haben, um ein neues Leben zu beginnen, mit offenen Armen empfangen. Auch in Sachsen und Dresden bestehen viele Vorurteile und Ressentiments gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund. Beispielhaft dafür ist die Einstellung der sächsischen Jugend gegenüber MigrantInnen, widergespiegelt in der Studie Jugend 2005 in Sachsen des sächsischen Staatsministeriums für Soziales. Danach sieht nur eine Minderheit der Jugendlichen ein Zusammenleben zwischen Deutschen und Ausländern als nicht problematisch an. Zugleich hält nur jeder fünfte Jugendliche weitere Anstrengungen des Freistaats Sachsen zur Integration von Migranten für erforderlich. Eine relative Mehrheit von 45 Prozent der befragten Jugendlichen lehnt dies sogar ab.

Obwohl die sächsischen Hochburgen des Rechtsextremismus im ländlichen Raum liegen, und Extremformen der Ausgrenzung wie so genannte national befreite Zonen in Dresden zum Glück nicht zu finden sind, sind auch hier Menschen, die äußerlich nicht dem entsprechen, was oft als typisch deutsch angesehen wird, immer wieder Alltagsrassismus, Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Als Landeshauptstadt ist Dresden außerdem Schauplatz rassistischer Hetzkampagnen der NPD im Landtag und jährlicher Großaufmärsche von Neonazis in der Innenstadt.

Migration in Sachsen

Dabei hat gerade Sachsen eine lange Migrationsgeschichte zu verzeichnen: Im 19. Jahrhundert machten sich viele Sachsen auf, um ihr Glück in der neuen Welt zu versuchen. 1848 wurden erste Auswanderervereine gegründet. Im Dritten Reich haben viele jüdische BürgerInnen, KünstlerInnen und Intellektuelle aus Angst vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten das Land verlassen und in der Zeit der DDR haben viele Sachsen und DresdnerInnen Ausreiseanträge gestellt oder sind über die deutsch-deutsche Grenze geflohen. Derzeit leben 3,9 Prozent Ausländer und Ausländerinnen in Dresden. Zusammen mit AussiedlerInnen und Eingebürgerten machen die Menschen anderer Herkunftskultur etwa 6 bis 7 Prozent der Bevölkerung der Stadt aus.

Bürger.Courage will mit dem Projekt „Hotel Migration“ zur Beseitigung des Informationsdefizits, zur Aufklärung und zur kritischen Betrachtung der Thematik beitragen. Deshalb wollen wir mit verschiedenen Partnern ein interaktives Ausstellungsprojekt über Migration initiieren. Das Ziel ist eine kritische Beleuchtung des Themas „Migration“ mit allen seinen Schatten- und auch Sonnenseiten. Die Besucher der Ausstellung sollen mehr über die Herkunftsländer, die Ursachen von Migration, Fluchtbedingungen, das Leben in der Migration, über die Geschichte der Migration in Sachsen sowie über die besonderen Probleme, die mit Migration verbunden sind, erfahren.

»Hotel« als Bild und Metapher

Der Begriff Migration bezeichnet einen unsteten Zustand, eine Reise, auf die man in den meisten Fällen nur wenige Dinge mitnehmen kann. Auf dieser Reise muss man sich einmal oder mehrfach an ein neues Umfeld gewöhnen. Und nicht selten geht mit ihr der Verlust oder der Wandel der ursprünglichen Identität des Migrierenden einher.

Das Wort “Hotel” im Titel des Ausstellungsprojekts “Hotel Migration” dient als Bild dieser Unstetigkeit und Entfremdung vom eigenen Lebensumfeld. Je nach Standard bietet ein Hotel seinen temporären BewohnerInnen sehr unterschiedliche Lebensbedingungen. In komfortablen Hotels kann man sich sogar fast wie zu Hause fühlen. Im Gegensatz zu einem wirklichen Zuhause verzichten die Menschen während eines Hotelaufenthalts jedoch auf Vertrautes: Die Bekanntschaften, die man in einem Hotel knüpft sind oft flüchtig, die Einrichtungsgegenstände sind vorgegeben und das Essen nach lokalen Gebräuchen zubereitet. Zuletzt bleiben die BewohnerInnen eines Hotels Gäste, deren Freunde und Verwandte sich an einem anderen, fernen Ort befinden.

Manche Menschen leben ihr ganzes Leben in einer solchen improvisierten Wohnsituation. Andere verlassen das Hotel nach einer Weile, um in ihrem ursprünglichen Lebensraum zurückzukehren. Oder sich in der neuen Umgebung dauerhaft niederzulassen und sich ein neues zu Hause zu schaffen. Wiederum andere kehren als Gäste immer wieder in das Hotel zurück. Bei einem Hotelbesuch ist der Effekt der Entfremdung nicht selten gewünscht und Menschen begeben sich bewusst auf eine Reise, um Abstand zu gewinnen, Neues zu erleben und auszuspannen. Das “Hotel Migration” ist leider aber in den meisten Fällen kein Luxusetablissement ist, das Raum für Erholung bietet. Es befriedigt oft kaum die grundlegenden Bedürfnisse seiner Gäste. Auch dies wird in dem Ausstellungsprojekt deutlich.

<Inhalte der Austellung>


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